Kolumne

„Wie soll ich dich empfangen
und wie begegne ich dir“
- Adventslied von Paul Gerhardt -


Advent, die Zeit der Stille.

Im Einkaufszentrum erschallt „Last Christmas“. Schon wieder dieser nervtötende Ohrwurm! In den Gängen und in den Hallen überall blinkende Reklame und verschnörkelte Schriftzüge: „Vom Christkind empfohlen“, „Preisknüller“, „Weihnachtsangebot“.
Advent, die Zeit der Stille.

Advent, die Zeit des Wartens.
Wir haben es eilig. Der nächste Gedanke ist schon da. Was ist noch zu tun? Habe ich alles gut geplant? Zeitoptimierung ist wichtig. Dieses Jahr müssen wir vor Weihnachten noch daran denken, dass wir für nächstes Jahr rechtzeitig einladen.

Advent, die Zeit des Verzichts.
Beim Betreten des Supermarktes stehen Lebkuchen, Zimtsterne und Spekulatius zentraler als alles andere. Wie schnell ist dann von allem reichlich eingeladen.

Advent, die Zeit des Verzichts.
Im Advent warten wir darauf, dass Gott als schutzloses Kind geboren wird. Wir warten auf das Fest seiner Geburt. Mit der Erinnerung an den Lebensanfang Jesu, kommen gleichzeitig Gedanken an sein Wirken und sein Sterben. Dabei bemerken wir: Eigentlich warten wir auch auf seine Wiederkunft. Das alles spielt an den vier Adventssonntagen und -wochen – hoffentlich nicht nur liturgisch – eine Rolle. Ziel von alledem ist: Gott soll in uns geboren werden, damit wir zur Jesus- Nachfolge fähig werden. Wir hoffen aber auch auf das endgültige Kommen des Herrn. (Wie auch immer das zu verstehen ist.)

Advent, die Zeit der Stille.
In der Adventszeit sind wir angehalten, uns Zeit für Stille zu nehmen. Es lohnt sich! Im Hier und Jetzt der Stille bin ich einfach nur da. Ich lausche zuerst meinem Atem. Halte Ruhe und Leere aus – genauso wie auf mich einprasselnde Gedanken oder Geräusche. Aus der Stille heraus ist eine andere Vorbereitung für das Kommende oder eine Rückschau auf, das Vergangene möglich. Der Blick für Gott und das Wesentliche stellt sich ein.

Advent, die Zeit des Wartens.
Das adventliche Warten hier und heute ist liturgisch geprägt durch die endzeitliche Wiederkunft Jesu Christi (Jüngstes Gericht), der vor allem am ersten Adventssonntag dominiert. Wir sind eingeladen uns mitreißen zu lassen von dem Gedanken, dass etwas naht, das größer ist als wir. Gerechtigkeit und Versöhnung, die menschliche Vorstellungen übersteigen sind nahe. Das darf uns Anlass zur Freude sein.

Advent, die Zeit des Verzichts.
Der strenge Bußgedanke im Advent hat sich nie so durchgesetzt wie in der Passionszeit. Buße kann wie die Stille die Umkehr zum Wesentlichen darstellen. Im Fasten verzichte ich daher bewusst auf etwas, von dem ich weiß, dass ich ihm im alltäglichen Leben eventuell zu viel Zeit widme.


Diakon Sascha Kuntze