Impulse & Berichte


Liebe Gemeinde,

diakon kuntze 135"Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist." Hebräer 11,3.

Wir befinden uns im Kirchenjahr mitten in der Zeit nach Trinitatis. Die Sonntage haben bis zum Ende des Kirchenjahres keine eigenen Namen mehr, sondern werden einfach durchgezählt. Wenn man von dieser Zeit spricht, nennt man sie oft die Festlose Zeit, wobei das mit Erntedank und Reformation, sowie Buß- und Bettag nicht ganz stimmt. "Nach Trinitatis" begleitet uns aber auf jeden Fall bis zur Weihnachtszeit.
An Erntedank werden wir, wie jedes Jahr, die Konfirmanden des neuen Jahrgangs vorstellen und natürlich auch die Vorkonfirmanden willkommen heißen. Wir freuen uns auch dieses Jahr wieder über Ihre und Eure Spenden, die wir im Anschluss an den Gottesdienst – zu Gunsten unserer Partnergemeinde in Tansania – versteigern werden.
In der Zeit nach Trinitatis geht es um unser Leben, um die Frage nach dem Sinn, um das, was über unser Denken hinausgeht. Und wir stellen fest, Gott begeht mit uns einen Neuanfang – in dem er für unsere Sünden am Kreuz stirbt - und so exemplarisch wie Gott es durch Jesus macht, so können auch wir einen Neuanfang mit Gott wagen, immer. Doch Neuanfänge sind nicht immer leicht. Die vielen Entscheidungen, die vor einem Neuanfang getroffen werden müssen, sind Aufwand. Das bedeutet, dass man weniger produktiv ist. Alles fühlt sich ermüdender an. Und man ist danach erschöpfter.
Für unser Gemeindeleben geht es jetzt wieder langsam los, für manche(s) sogar zum ersten Mal. Viele Gruppen und Kreise mussten sich während der Ausgangsbeschränkungen neue Formen des Zusammenkommens überlegen und aus einigen Überlegungen haben sich mittlerweile feste Instanzen ergeben. Andere sind wieder froh, dass sich die Regelungen gelockert haben und physische Treffen wieder möglich sind.
In den Gesprächen mit einigen Gemeindegliedern habe ich es oft gehört und ich habe es auch gespürt: "Gott, der Schöpfer und Erhalter der Welt greift ein." Er stößt Veränderungen an. Er ist in den verschiedenen Prozessen und Lebenslagen bei uns und er bringt Dinge zu Ende und schafft Neues. Gott wirkt geheimnisvoll in den großen und kleinen Veränderungen.
Sascha Kuntze


Liebe Gemeinde,

Cornelia Albertlangsam aber sicher kehrt eine neue Normalität bei uns ein. Bis Mitte Juli hat die Bayerische Landeskirche insgesamt 19 Rundschreiben mit Empfehlungen an die Kirchengemeinden versandt. Analog zu den Empfehlungen des RKI wurden Regelungen schrittweise gelockert.
Wir haben es uns als Kirchenvorstand nicht einfach gemacht. Vielen Dank für Ihr Verständnis! Das wichtigste für uns war, unsere Gemeindemitglieder und Gottesdienstbesucher bestmöglich zu schützen.
Bald wird es wieder in beiden Kirchen Gottesdienste geben, Gruppen und Kreise haben im Juni ihre Treffen wieder aufgenommen und der Kirchenvorstand konnte sich im Juli erstmalig wieder zu einer Präsenzsitzung im Garten der Apostelkirche zusammenfinden.
Seit Mitte Mai wurden auf Beschluss unseres Kirchenvorstands wieder Gottesdienste angeboten, die von den Gemeindemitgliedern gut angenommen worden sind, auch wenn die Umstände etwas gewöhnungsbedürftig waren.
Bis Ende August beschränkte sich das Gottesdienstangebot auf die Apostelkirche und bis dahin wurde in den Gottesdiensten mit verkürztem Ablauf auch kein Abendmahl angeboten. Dies hat sich seit Anfang August geändert. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschloss der Kirchenvorstand, ab August Abendmahl, wie von der Landeskirche beschlossen, als Wandelabendmahl anzubieten. Zudem entschieden wir, ab September auch wieder Gottesdienste in der Petruskirche anzubieten.
In der Sitzung des Kirchenvorstands im Juni beschlossen wir ein Hygienekonzept für unsere beiden Gemeindehäuser, welches die Grundlage für die Wiederaufnahme der Treffen der Gruppen und Kreise unserer Gemeinde bildete.
Die Gruppen und Kreise unserer Gemeinde konnten daraufhin in den vergangenen Wochen ihre Treffen wieder aufnehmen, sofern sie ein Hygienekonzept vorgelegt hatten, das an das vom Kirchenvorstand beschlossene Hygienekonzept angelehnt ist. Dies war ein weiterer Schritt hin zu mehr Normalität und mehr Austausch zwischen unseren Gemeindemitgliedern.
Der Kirchenvorstand hat sich zudem darüber Gedanken gemacht, wie die Webseite der Gemeinde noch attraktiver und intuitiver gestaltet werden kann. Dazu gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich in den kommenden Monaten mit diesem Thema beschäftigen wird.
Apropos Webseite: In der letzten Ausgabe des Gemeindebriefs hatte ich darüber berichtet, dass der Kirchenvorstand beschlossen hat, elektronische Spenden über die Webseite zu ermöglichen. Diese Spendenmöglichkeit steht Ihnen nun seit einigen Wochen zur Verfügung. Probieren Sie die neue Spendenfunktion doch mal aus. Gerne nehmen wir als Kirchenvorstand auch Ihre Anregungen auf. Schreiben Sie mir gerne unter Cornelia.Albert@elkb.de. Bleiben Sie gesund und gesegnet!
Cornelia Albert


Liebe Leserin, lieber Leser,

Bernhard Liessmein Name ist Bernhard Liess, und ich freue mich, dass ich ab dem 1. September 2020 das Amt des Münchner Stadtdekans von Barbara Kittelberger übernehmen darf! Da ich in München geboren und aufgewachsen bin, kehre ich nach vielen Jahren nun wieder in diese wunderbare Stadt mit ihrem schönen Umland zurück. Besonders freue ich mich, dass ich jetzt viele, viele Menschen kennenlernen kann. Dafür möchte ich mir ganz bewusst Zeit nehmen. Denn es gibt so viele engagierte Haupt- und Ehrenamtliche, die mit viel Leidenschaft und kreativen Ideen unsere Kirche zu einem lebendigen und bunten Ort der Freiheit und des Glaubens machen. All das möchte ich gerne kennenlernen, verstehen und würdigen. Ich verstehe das Amt eines Dekans auch so, dass er Pluralität fördert und die Arbeit unterstützt, die vor Ort in den Kirchengemeinden, kirchlichen Einrichtungen oder an den anderen kirchlichen Orten gemacht wird.
Ich wurde in 1969 in München geboren und bin in Harlaching aufgewachsen. Die Emmauskirche in München war meine erste Begegnung mit Kirche und ihren Pfarrer/innen. Wie so häufig waren es Pfarrerpersönlichkeiten, die mich dazu motiviert haben, Theologie zu studieren. Nach dem Wehrdienst habe ich in Neuendettelsau, München, Montpellier und Heidelberg Theologie studiert und im Anschluss an das Studium noch eine kirchengeschichtliche Doktorarbeit geschrieben. Das Vikariat hat mich dann als bayerischen Gast nach Tübingen geführt, wo ich auch eine andere Landeskirche kennenlernen durfte. Meine ersten Schritte als Pfarrer habe ich in Rosenheim getan, wo ich später auch als Referent auf Dekanatsebene und Mitarbeiter im dortigen Evangelischen Bildungswerk tätig war. 2012 wurde ich Pfarrer der Kirchengemeinde Planegg bzw. seit 2018 Planegg-Stockdorf. So konnte ich Kirche aus ganz verschiedenen Blickwinkeln erleben.
Meine Frau ist ebenfalls Theologin und Privatdozentin für Altes Testament. Wir haben zwei Kinder, die 10 und 12 Jahre alt sind, und wir sind gespannt auf all die Veränderungen nach dem Umzug wie Schulwechsel und neue Umgebung, die nun auf uns zukommen.
Mich begeistern Musik, Kunst und Literatur, weshalb ich viel zu viele Bücher habe.
Immer wieder bin ich fasziniert von Menschen, von ihrer Biographie, ihren Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit. Und Humor ist für mich wichtig, der neben aller Ernsthaftigkeit für mich Ausdruck christlicher Lebenskunst, Lebensfreude und Hoffnung ist.
Unsere Kirche verändert sich. Das soll uns nicht schrecken, und Jammern und Lamentieren sind keine guten Rezepte. Ich bin ein großer Freund unserer sogenannten Volkskirche, in der ganz unterschiedliche Menschen ganz unterschiedlich denken, glauben und handeln dürfen und sich doch verbunden und getragen wissen im Glauben an unseren Gott.
Ich bin gespannt und freue mich auf die Begegnungen mit Ihnen!
Es grüßt Sie sehr herzlich Ihr
Bernhard Liess


So läuft es mit der Integration.
Und immer wieder ist das Thema Flüchtlinge aktuell, gleichwohl geht es inzwischen mehr um Integration. Auch dabei hilft unsere Gemeinde.
syrische FlüchtlingsfamilieEine syrische Flüchtlingsfamilie aus Aleppo, Eltern und drei Kinder, eine Familie von Jesiden mit 5 Kindern aus dem Irak und ein Arzt mit Frau und 8 Kindern aus Afghanistan werden von unserer Gemeinde materiell und mit Tipps und Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt Der syrische Vater ist Fliesenleger und macht sich gerade in diesem Beruf selbständig, siehe: https://www. fliesenhandwerk-kassab.de/ Wir haben ihm zwei Fortbildungen für besondere Fußbodentechniken, eine Autoreparatur und Winterreifen für den Start finanziert.

Der Vater der Jesidenfamilie, er ist Geologe, hat gerade seine B2 Sprachprüfung bestanden. Wir haben ihm Fahrstunden bezahlt, für seinen Minijob als Schulbusfahrer. Die älteste Tochter hat im September 2019 eine Lehre bei einem Zahnarzt begonnen und die Gemeinde hat ihre Berufskleidung bezahlt. Der Jüngste bekam zur Einschulung eine gefüllte Schultüte und die Älteste ein Geschenk zum gelungenen Schulabschluss. Hayat, die Mutter, versorgt uns bei Festen in der Gemeinde immer wieder mit tollen Torten und selbstgebackenem Brot. Sigrid Ruhm hat Hayat jede Woche Sprachunterricht gegeben, und hat ihre Schülerin nun bis zum B1 Sprachabschluss gebracht. Die jüngste Tochter Nada geht im neuen Schuljahr aufs Gymnasium und der Dreizehnjährige und die Fünfzehnjährige besuchen ab September die Realschule.

Der Familie aus Afghanistan hatten wir im letzten Jahr Möbel organisiert. Der Vater dieser Familie hat inzwischen eine Anstellung als Arzt.

Auch den Bewohnern der Unterkunft in der Hofmannstraße immer wieder geholfen. Wir haben Kinderwagen an "neue Eltern" weitergegeben und gespendete Möbel finden dankbare Abnehmer. Die Unterkunft in der Hofmannstraße wird nach und nach geschlossen, die jetzigen Bewohner, für die wir Paten suchen, ziehen in eigene Wohnungen oder werden auf andere Unterkünfte verteilt.
Angelika Kraus


"Es genügt nicht, nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Man muss dem Rad auch selbst in die Speichen fallen."
(Dietrich Bonhoeffer, Vortrag "Die Kirche vor der Judenfrage", April 1933)

gu229_unterschrift_bonhoeferDietrich Bonhoeffer (1906-1945)


gu229_bonhoefer

Am 9. April 1945 wurde der Theologe, Privatdozent und Pfarrer Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg in der Oberpfalz von den Nazis ermordet, zusammen mit sechs anderen Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime. Gerade mal einen Monat vor der Befreiung.
Sein Todestag jährte sich in diesem Jahr zum 75. Mal.

Leider waren wir im April viel zu sehr damit beschäftigt, die Coronakrise zu bewältigen. Nicht nur als Staat und Gesellschaft, sondern auch als Kirche.

Darum soll das Gedenken an Dietrich Bonhoeffer jetzt seinen Platz hier finden. Gemeindehäuser und Kirchen sind nach ihm benannt. Hier in München zum Beispiel in Neuperlach und Germering. An einer Außenwand der Westminster- Abbey in London steht seine Statue als Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Den Text "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag" kennen sehr viele Menschen aus dem Evangelischen Gesangbuch. Dietrich Bonhoeffer schrieb dieses Gedicht 1943 als Weihnachtsgruß an seine Familie und seine Verlobte Maria von Wedemeyer aus der Gefängniszelle in Berlin-Tegel.

Dietrich Bonhoeffer wurde 1906 in Breslau geboren. Er erkannte schon sehr früh das antisemitische und rassistische Gewaltpotential des NS-Regimes und erhob seine Stimme dagegen, als viele Menschen in der Gesellschaft und auch in der Kirche noch dachten, das würde alles vorübergehen und nicht so schlimm werden.
Er gehörte zur Bekennenden Kirche, leitete deren Predigerseminare in Zingst und Finkenwalde bei Stettin und setzte die Arbeit des Predigerseminars (wo angehende Pfarrer nach dem Studium weiter ausgebildet werden) im Untergrund fort, als das Regime sie verbot. Sein Bibelstudium und sein Ringen darum, was Kirche in jenen schlimmen Zeiten zu tun habe, führten Bonhoeffer in den Widerstand. "Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist."

(Dietrich Bonhoeffer, Schreiben zur Jahreswende 1942/1943).
1940 bekam Dietrich Bonhoeffer über seinen Schwager Hans von Dohnanyi Kontakt mit dem militärischen Widerstandskreis um Admiral Wilhelm Canaris (der mit ihm zusammen in Flossenbürg ermordet wurde). Durch seine Kontakte zum Ausland versuchte Bonhoeffer, Friedenspläne nach dem Ende Hitlers zu erörtern. Doch das NS-Regime entdeckte Unterlagen dazu und verhaftete Bonhoeffer 1943.

Menschen wie Dietrich Bonhoeffer und den anderen Widerstandskämpfern mit ihrer unbeirrbaren klaren Haltung gegen das menschenverachtende NS-Regime ist es zu verdanken, dass die alliierten Mächte nach dem Krieg nicht pauschal Deutschland als "Land der Täter" einstuften, sondern ihm eine Chance gaben, eine moderne Demokratie zu werden.
Seine Schriften sind bis heute gültig für eine Kirche, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist.
Lesen kann man dazu mehr im Sonderheft des Sonntagsblatts "Dietrich Bonhoeffer. Glaube, Kirche und Christsein heute", ZKZ 6801, Evangelischer Presseverband für Bayern e.V., Birkerstraße 22, 80636 München
Regina Hallmann