Impulse & Berichte


 

Liebe Gemeinde

 

Liebe Gemeinde,
die momentan noch zuhause bleibt, jedenfalls noch ein bisschen, und die im Gottesdienst ziemlich weit auseinander sitzt, damit wir eine erneute Ansteckungswelle vermeiden, so dass zur Zeit nur 34 Menschen auf einmal zum Gottesdienst kommen können, die sich noch nicht im Gemeindehaus trifft, und die …

Klingt kompliziert? Ist es ja auch. Das Sars-Cov-2-Virus hat uns aus allem, was für uns normal und gewohnt war, herauskatapultiert. Inzwischen gibt es wieder Lockerungen in den Ausgangs– und Kontaktbeschränkungen, aber längst ist noch nicht alles so wie vorher. Und wird es vermutlich noch länger nicht sein. Was hat sich bei uns geändert?

Die Konfirmationen, Großereignisse im Leben einer Kirchengemeinde, haben wir verschoben auf Ende September und Anfang / Mitte Oktober. Und hoffen inständig, dass das dann auch klappt. Denn für uns gehören Großeltern zu so einem Fest genauso dazu wie Posaunenchöre, Familien und Kirchenvorsteher, die Gemeinde und eine krachvolle Kirche.
Und wenn das dann immer noch nicht geht? Nun, dann konfirmieren wir unsere Konfis halt unter dem Christbaum. Oder im kommenden Fasching. Da kennen wir gar nichts!
Großveranstaltungen und Freizeiten hat die Landeskirche bis 31. August ausgesetzt – also keine Gemeindefeste. Und keine große Anfangsfreizeit für die neuen Konfirmanden.
Gruppen, Kreise und Veranstaltungen sind auch noch nicht erlaubt. Und ja, es sind auch hier in unserer Gemeinde ein paar Menschen an dem Virus gestorben.
Sehr schade ist das alles. Und im Fall der Toten sehr traurig.

Wir leben gerade in sehr amorphen Zeiten: Nichts ist sicher. Alles ändert sich. Zukunftsplanungen, bisher ein fester Halt in unserem Leben, verflüssigen sich. Man kann Dinge nur für kurze Zeit festlegen oder vorhersehen, in ein paar Tagen schon kann die Lage anders aussehen.
Alles ist eitel, du aber bleibst, und wen du ins Buch des Lebens schreibst!
Das ist ein Kanon, geschrieben 1942 von Gerhard Fritzsche, Jugendwart der damaligen Evangelisch-Lutherischen Kirche Sachsens, und vertont von Theophil Rothenberg, Kantor in Berlin-Mahlsdorf und Mitglied der Bekennenden Kirche.
„Eitel“ ist hier im altmodischen Wortsinn verwendet und bedeutet „vergänglich“. 1942 tobte der Zweite Weltkrieg. Unsicher war das Leben zu jener Zeit noch sehr viel mehr als unseres heute. Fritzsche galt 1944 als vermisst. Das einzige, was bleibt, ist der Ewige Gott. Und der, den er ins Buch des Lebens eingeschrieben hat.

In jenen Zeiten waren damit gewiss nicht die Handlanger der Unmenschlichkeit und die Mittäter des Unrechts gemeint. Sondern die, die sich dagegen stemmten und Menschen halfen und die Werte der Bibel bewahrten.

Du aber bleibst.
Bei uns gibt es hoffnungsvolle Zeichen: Verbundenheit bleibt. Konfirmanden, Jugendleiter, Mitarbeiter sehen sich über Zoom. Nicht so oft, wie wir uns vorher getroffen haben, aber wir verlieren uns nicht aus dem Blick. Der Kindergottesdienst feiert auch über Zoom, und zwar an jedem Sonntag. Die Spielgruppen zoomen ihren Morgenkreis. Menschen kaufen für diejenigen ein, die sich das gerade nicht selber trauen. Oder es nicht können. Es gab Gottesdienste auf der Homepage und Predigten in den Schaukästen. Und nicht zu vergessen: Jede Woche einen neuen Bastel-Tipp vom Kreativ-Kreis.
Und seit Neuestem: Wir können wieder Gottesdienste feiern! Leider momentan nur in der Apostelkirche, die Petruskirche ist zu klein, um das Hygiene-Sicherheitskonzept dort umzusetzen. Aber immerhin. 34 Plätze gibt es in der Apostelkirche, genau ausgemessen. Und zwei Gottesdienste, damit mehr Menschen kommen können: Sonntags um 9:00 Uhr und um 10:30 Uhr.

Es gilt immer noch, die Schwachen zu schützen, die Ansteckungsraten nicht wieder hochzutreiben, aufeinander acht- und Rücksicht zu nehmen, und ja, auf viel eigenes Vergnügen zu verzichten. Keine leichten Zeiten. Aber wir sind auf dieser Erde eben miteinander verbunden. Und darin sind wir auch mit Gott verbunden. Und wen du ins Buch des Lebens schreibst.

Halten Sie durch!
Keep on rolling!
Es grüßt Sie herzlich

Ihre Pfarrerin Regina Hallmann


Liebe Gemeinde,

Cornelia Albertam 12.03.2020 hat sich der Kirchenvorstand zum letzten Mal in der üblichen Form zu einer Sitzung getroffen. Damals warf COVID-19 bereits seine Schatten voraus, aber wir wollten es nicht wahrhaben.
Nach dieser Sitzung ging es Schlag auf Schlag. Auch unser Kirchenvorstand musste schweren Herzens verfügen, dass bis auf Weiteres keine Gottesdienste oder Treffen von Gruppen und Kreisen stattfinden dürfen. Wichtig war uns jedoch, die Kirchen zur Einkehr offen zu halten, was uns dank unserer (ehrenamtlichen) Mesner_innen in beiden Kirchen auch gelungen ist.
Bereits am 17.03.2020 stand die erste außerordentliche Sitzung an. „Auf Abstand“ haben wir uns über die aktuelle Lage ausgetauscht und bei diesem Treffen darüber abgestimmt, dass der Evangelische Verein und die Kirchengemeinde allen Gemeindegliedern und Mitgliedern des Vereins ein Hilfsangebot unterbreitet. Wir entschieden, dass wir uns ab sofort nur noch auf elektronischem Weg „treffen“, was wir seitdem auch mehrmals getan haben.
Auf unserer nächsten außerplanmäßigen Sitzung am 01.04.2020 setzten wir einen Brief an die Gemeindeglieder auf, und thematisierten darin Videoandachten statt Gottesdienste. Im Umlaufverfahren haben wir beschlossen, dass die Gemeindeversammlung und die Konfirmationen verschoben werden.
Wie in anderen Lebensbereichen hatte COVID-19 aber auch in unserer Gemeinde eine beschleunigende Funktion: Dank unseres Finanzausschusses werden Spenden auf elektronischem Weg über unsere Webseite möglich sein. Das haben wir auf unserer Sitzung am 29.04.2020 beschlossen. An dem Tag erfuhren wir auch, dass wir wieder Gottesdienste feiern dürfen.Im Umlaufverfahren wurde darüber abgestimmt, Gottesdienste zunächst nur in der Apostelkirche anzubieten. Die Vorgaben der Landeskirche ließen leider nichts anderes zu.
Am 18.05.2020 tagte der Kirchenvorstand erneut auf elektronischem Weg und tauschte sich zu den wiederaufgenommenen Gottesdiensten, einem Freiluft-Gottesdienst zu Himmelfahrt und zum Gemeindebrief aus.
Ich danke an dieser Stelle in meiner Funktion als Vertrauensfrau allen Ehren- und Hauptamtlichen, die sich in dieser Situation engagiert und unermüdlich um das Wohl unserer Gemeinde sorgen: Videoandachten wurden aufgenommen und auf die Webseite gestellt, Kindergottesdienste finden seit Wochen regelmäßig online statt, die Schaukästen wurden wöchentlich bestückt, Gemeindegliedern, die auf Hilfe angewiesen sind, kann diese zuteilwerden, eine Hygienekonzept wurde aufgestellt, Gottesdienste können nun dank des Engagements unserer Haupt- und Ehrenamtlichen Mitarbeitenden wieder durchgeführt werden. Bleiben Sie gesund und gesegnet!
Cornelia Albert


 

 

Sommer 2020

Geh aus, mein Herz
Gott spazierte in diesen außergewöhnlichen Zeiten durch Bayern. Er lief an imposanten Bergen vorbei und durch sattgrüne Täler mit grasenden Kühen, er besichtigte die Weinberge in Franken, das Hopfenland in der Hallertau, er lief an sprudelnden Bächen entlang und an der ruhig dahinfließenden Donau. Gott lief durchs Allgäu und den Spessart, Spessartdurch die Fränkische Schweiz, den Nymphenburger Schlosspark und den Englischen Garten.
Irgendwann fragte ihn ein Passant mit Mundschutz: „Sag mal, lieber Gott, was machst Du eigentlich die ganze Zeit hier in Bayern?“ Und Gott sprach: „Ich mache Homeoffice.
Der Passant lief eilends nach Hause, Spessartpackte die Koffer und begab sich mit seiner Familie in die Sommerferien. Nach Bayern. Und es stellte sich schnell heraus, dass es viel mehr zu besichtigen und zu besuchen gab, als sie überhaupt Zeit hatten – und alles ohne Mundschutz und ohne Auto.

Unterwegs erinnerten sie sich an Paul Gerhards Sommerlied: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Sie stellten fest, dass in all den 15 Strophen nicht ein einziges Mal vorkommt, dass man weit weg fahren muss, um die hochbegabte Nachtigall schon in aller Frühe singen zu hören, um den Bienen bei ihrer Honigsuche zuzusehen, um all die Blumen blühen und das Korn reifen zu sehen.
Und sie sollten sich gründlich dafür bedanken, Spessartdass sie in diesem schönen Bayern wohnen dürfen.
Auch Goethe hat gesagt: „Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.“
Ich wünsche Ihnen einen eindrucksvollen Sommer in diesen außergewöhnlichen Zeiten!

B. Mauder


Schöpfung bewahren

Blauer Himmel
Sind Sie in den letzten Wochen auch viel mehr in unserem Stadtviertel spazieren gegangen als früher? Mich jedenfalls lockte das vorsommerliche Sonnenwetter fast täglich zu oft ausgedehnten Streifzügen durch die Nachbarschaft – mal zu Fuß, mal mit dem Fahrrad.

Wie ich das genieße: Keine Autos und Lastwägen, vor denen man mal schnell zur Seite springen oder ausweichen muss; kein Lärm, keine Abgase! Stattdessen Düfte des erblühenden Frühlings, scheinbar intensiver als sonst: Der knofelige Geruch von Knoblauchsrauke und Bärlauch erreicht die Nase, bevor ich vor den Pflanzen stehe; der zerzauste Münchner Goldhahnenfuß auf dem Sollner Waldfriedhof (er kommt ausschließlich in und um München vor!) verströmt nur einen leichten Geruch nach Heu. Und dann dieser süße Duft der Veilchen, der nun abgelöst wird von dem der Maiglöckchen und des Flieders!

Bemerken Sie außerdem das Lachen, Rufen und Jubeln der vielen kleinen und größeren Kinder von den Balkonen, in den Gärten und sogar auf den Neben-straßen? Sie weichen nur den ungewöhnlich vielen Vätern mit Kinderwägen aus, die ihre Pausen vom Homeoffice zum Einkaufsspaziergang nutzen.

Der eine oder andere Plausch über den Gartenzaun ergibt sich von ganz allein. Mit der sechsjährigen Greta im neuen Haus nebenan entdecke ich z.B. gerade die geflügelte Welt rund um unsere Wohnanlagen. Mit unseren Ferngläsern nehmen wir unsere gefiederten Freunde zwischen den ergrünenden Ästen und Zweigen in Augenschein: War das tatsächlich ein Grünspecht auf der Wiese zwischen den alten Bämen?
Kirche
(Ja, war es!) Hast Du das Buchfinkenpaar in der Hecke dort drüben gesehen? Und die Blaumeisen am Kasten entdeckt? Da flattert plötzlich ein Aurora-Falter mit orangefarbenen Flügelspitzen vorbei; und einige Wildbienen sind auch schon ins Insektenhotel eingezogen!

Und dann ist da noch dieser unfassbar leuchtend blaue Himmel, der durch keine Wolke, nicht einmal durch einen Kondensstreifen getrübt ist! Ja, auch der Natur in der Großstadt verschafft die „Corona-Krise“ eine Atempause. Sogar die Klimaschutzziele der Bundesregierung für 2020 scheinen wieder erreichbar.
Ob uns der „Neustart“ so gelingt, dass davon auch für die Zukunft etwas bleibt?

Christina Mertens, Prädikantin im KV /
Foto: Franz Aßbichler


„Der einfache Zugang zur Liebe Gottes“

Mit diesem Kernsatz macht sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern auf den Weg.

Was verstehen Sie, was glauben Sie, was vertrauen Sie, wenn Sie das Wort „Gott“ denken, sprechen, beginnen zu fühlen? – Für mich ein Geheimnis, ein riesengroßer Raum, unbegreiflich. So einfach ist das Wort ausgesprochen. Das große Geheimnis mit unzähligen Namen und keiner trifft voll und alles.

Oft ist der „einfache“ Zugang schon in mir drin versperrt. Wie soll ich das fassen, was keine Worte beschreiben können? Wie soll ich das fassen, wovor Wissenschaft- lerinnen erschaudern, erstaunen? Ich erlebe, wie Mathematiker, Physiker in ihrer eigenen Sprache und Denkwelt tief demütig werden und nicht der Versuchung erliegen, dort, im letzten Winkel der vielen Unerklärbarkeiten das zu finden, was …

Der „Ich bin da“ ist in alledem da. Wie die Luft, die ich atme, der ich mir nur selten bewusst bin. – Dann, wenn sie knapp wird, spür ich, was ich brauche.

Die Menschenfreundlichkeit des Jesus von Nazareth, sein „Gott“-vertrauen. Da gehen mir immer wieder Lichter auf. Seine Offenheit und Großzügigkeit, sein unkonventionelles, freies Handeln. Auch sein heiliger Zorn gegen die „Borniertheit“ institutioneller Religiosität.

Ich wünsche Ihnen Ihre Pfingsterleuchtung. Ich wünsche Ihnen Ihr „Aha“, Ihr „Ich hab’s!“. Ich wünsche Ihnen Ihre „Ergriffenheit“, Ihre „Demut“. Ich wünsche Ihnen Ihre „Begeisterung“ und „Gottesfurcht“. Ich wünsche Ihnen Ihr „Vertrauen“ in das Unbegreifliche, das uns alle hebt und trägt, wie das Wasser Boote und Fische. Und daraus die Kraft, zuversichtlich und voller Hoffnung zu leben. – Ein frohes Pfingstfest wünsche ich Ihnen!



Ihr Christoph Grötzner


 Grüße aus Schwerin

Die Petruskirche Schwerin, unsere Partnergemeinde, feierte mit einem Festgottesdienst ihre 45-jährige Gründung, zu der Pastorin Diesel auch unsere Petruskirchengemeinde eingeladen hatte. Ich verlas im Gottesdienst ein Grußwort von Pfarrerin Hallmann und wurde danach stürmisch begrüßt. So kehrte ich zurück mit einem Koffer voller Grüße an unsere Gemeinde von unseren langjährigen Freunden. Viele Besuche haben stattgefunden in all den Jahren, freilich nur einseitig bis nach der Wende, aber oft fuhr eine Gruppe zweimal im Jahr dorthin mit viel Gepäck - Geschenken und Material, das dort dringend gebraucht wurde. Nach der Wende kamen ebenso viele Gegenbesuche zustande.

Besonders schön war, dass Pastor Matthias Burkhardt, seinerzeit der wichtigste Gesprächspartner unseres damaligen Pfarrers Gernot Müller, die Festpredigt hielt. Ihm war es im Jahre 1974 nach vielen Schwierigkeiten gelungen, eine Gemeinde für den Dreesch neu zu gründen. Dafür fand er vorerst einen Unterschlupf in der Schweriner Schlosskirche bei Pastor Peter Voss, der ebenfalls zugegen war und sich gerne an diese Zeit erinnerte. Unsere Gemeinde begann mit der Partnerschaft, als es um die Planung für den Neubau einer Kirche auf dem Dreesch ging. Dort gab es stets mannigfaltige Probleme, besonders im sozialen Bereich.

Immerhin gibt es jetzt eine Anzahl Ehrenamtlicher, die sich z. B. um die Betreuung der Tafel kümmern. Da die Organistin derzeit für länger erkrankt ist, hat kurzerhand Pastor Drewes, der zweite Pfarrer, aus den Tafelmitarbeitern einen Chor und ein Flötenquartett gebildet und damit den Gottesdienst festlich gestaltet. Es war für mich sehr schön, so viele alte Freunde auf einen Schlag wiederzusehen, auch die Pastoren, die nach Pastor Burkhardt kamen.
Pastorin Diesel wünscht sich, die Glut der noch bestehenden Kontakte ein wenig anzublasen, damit es wieder zu mehr Austausch zwischen unseren beiden Gemeinden kommt.

Petruskirche Schwerin